Zeitzeugenbesuch im Rahmen der Projekttage
Unsere Schule im Gespräch mit Frau Gundula Reichelt
Am 01. Juli 2025 hatten wir, eine Gruppe von zwanzig Schülerinnen und Schülern aus den Jahrgängen 8-10 unserer Schule, die Chance, im Rahmen eines Projektes mit der Zeitzeugin Frau Gundula Reichelt ins Gespräch zu kommen. Sie ist 90 Jahre alt und musste bereits im jungen Alter von vier bis zehn Jahren den 2. Weltkrieg miterleben. Frau Reichelt erzählte uns von ihrer Flucht aus Schlesien (heutiges Polen) zu Beginn des Jahres 1945 bis zu uns, nach Hessen.
Um uns in die Situation und die NS-Zeit besser hineinversetzen zu können, haben wir den Tag zuvor den Viktoriabunker in Kassel angesehen und vorher an einer historischen Stadtführung teilgenommen, die uns zu einigen geschichtlichen Plätzen führte, z.B. zum Aschrottbrunnen am Kasseler Rathaus und zum Hauptbahnhof zu dem Gleis, von dem aus drei Deportationszüge in die Vernichtungslager gingen. Diese beiden Ereignisse (historischer Stadtrundgang und die anschließende Bunkerführung) haben uns eine gute Wissensgrundlage geboten für Orte und Geschehnisse während der NS-Zeit und Fragen in uns ausgelöst, die wir am folgenden Tag stellen durften und die uns reichlich beantwortet wurden.
Frau Reichelt schilderte uns ihre fünfmonatige Flucht durch das Deutsche Reich, die von Tod, Hunger und Krankheit geprägt war, aber auch von Hoffnung. Von der Hoffnung, dass der Krieg bald enden möge und die Familie wieder zusammenfinden würde. Von der Hoffnung, dass Fremde, ohne nachzufragen, helfen würden. Von einer Hoffnung, die alles erträglicher machte. Aufgrund all der schrecklichen und traumatischen Ereignisse entschied sich Frau Reichelt, später Sozialpädagogin zu werden und arbeitete im Kindergarten und im Waisenhaus, um ebenso traumatisierten und auch elternlosen Kindern zu helfen und um für sie da zu sein. In Großbritannien habe sie sich erstmals wieder sicher gefühlt, sodass sie immer wieder für Urlaube dorthin reiste.
Durch diese zwei Projekttage mit der Thematik „Mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen“ wurde uns ein Stückchen Geschichte nähergebracht und verständlich erklärt. Unsere Vorstellung vom 2. Weltkrieg ist jetzt viel klarer.
Was möchte uns Frau Reichelt mit auf den Weg geben?
„Tut, was ihr könnt, um den Frieden zu wahren. Kämpft nicht in und für einen Krieg, sondern für Frieden.“
E. Amend, 10A



